Figaros Hochzeit-Wetzlarer Zeitung



Figaros Hochzeit
Wetzlarer Neue Zeitung, 17.03.2009

Ensemble agiert vorzüglich
Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Revolution lässt Regisseur Klaus Hemmerle das französische Schauspiel „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“, den meisten als Mozarts Opernadaption bekannt, aus dem Jahr 1781 von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais über die Bühne gehen. Die mit reichlich Schlussbeifall bedachte Premiere fand am Freitagabend im Stadttheater Gießen statt.

Das Augenmerk lenkte Hemmerle auf die historisch-politischen Aspekte. So sieht man zu Beginn eine leere Rampe, auf einem Wagen werden, begleitet vom Volk und Trommelwirbeln, drei Personen der Komödie (Graf, Gräfin, und Cherubim) zur Guillotine gefahren. Eine rote Fahne wird vom Schnürboden gelassen, die gleichzeitig als Zeichen für Blut und die Farbe Rot der Tricolore, die Brüderlichkeit symbolisiert, steht. In Punkto Bewegungssprache schlug Hemmerle ein eher verhaltenes Tempo ein, entschlackte Wirrungen und Turbulenzen, so dass das Intrigenspiel deutlich nachvollziehbar blieb und die und die Text- und Situationspointen konturiert zum Ausdruck kamen. Immer in Beziehung zur Ernsthaftigkeit der politischen Situation setzte der Regisseur die Komik. Die Zuschauer lachten oft herzlich, mussten abern auch die Schärfe der Konflikte zur Kenntnis nehmen. Der Kammerdiener des Grafen, Figaro (Frerk Brockmeyer), möchte Suzanne (Christin Heim), Kammerfrau der Gräfin, heiraten. Der Graf (Roman Kurtz), Despot und Schürzenjäger, hat vor, das Adelsrecht der ersten Nacht aufleben zu lassen. Die Gräfin (Kyra Lippler) grämt sich vor Eifersucht. Eine verhärmte Frau, geplagt von Schwindelanfällen, aber auch durchaus resolut entschlossen, den amourösen Abenteuern des Grafen ein Ende zu setzen, spielte Kyra Lippler.
Roman Kurtz gab bühnenpräsent den Grafen, der herrisch aufzutreten wusste, Willkür walten ließ, aber am Ende seine Frau um Verzeihzung bitten muss – auf Knien. Als Zeichen für ausschweifenden Lebenswandel hatte der Graf rotumränderte Augen. Die Maske verlieh den Adelsfiguren generell eien dekadente Nuance.

Liebreiz und Schlagfertigkeit zeichnete die jugendliche Suzanne von Christin Heim aus, die weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen war.

Natürlichkeit und Liebenswürdigkeit ließ Brockmeyer seiner Figaro-Darstellung angedeihen. Sebastian Fischer hinterließ als Cherubim einen famosen Eindruck. Er erweckte bei der Gräfin sogar die Erotik.
Gunnar Seidel mimte hinreißend den pikierten, entsinnlicht Erbsen zählenden Musiklehrer Basilio und den mit einem Sprachfehler ausgestatteten Dorfrichter Brid‘ Oison. Das Bühnengeschehen belebten auch Petra Soltau als Marcelline und Harald Pfeiffer als Doktor Barholo, die wahrlich kraftvoll spielten. Rainer Hustedt reihte sich als Gärtner Antonio in das wahrlich vorzügliche Ensemble ein.
Die Musik von Willy Daum lieferte stimmungsvolle Klangkulissen. Das Ende wiederholt die Fahrt zum Schafott. Das Fallbeil fällt.

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